Der Münchner Fotograf Peter Schaller und die Innsbruckerin Maria-Luise Berger haben die Ausstellung nach Tirol gebracht. (Foto: Knut Kuckel)
Der Münchner Fotograf Peter Schaller und die Innsbruckerin Maria-Luise Berger haben die Ausstellung nach Tirol gebracht. (Foto: Knut Kuckel)

Fotoprojekt – „Die Würde des Menschen ist unantastbar“

Die Ausstellung „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ wurde am Freitag, dem 4. Dezember 2015 mit einer Vernissage im Kunst-Werk-Raum/Mesnerhaus in Mieming eröffnet. Zu sehen ist ein Fotoprojekt von Peter Schaller, Thomas Peschel-Findeisen und Maria-Luise Berger.

Durch intensive Portraits sollen die Menschen, die als Flüchtlinge zu uns gekommen sind, in ihrer Würde dargestellt werden. Die Porträtierten werden durch den neutralen Hintergrund der Bilder aus ihrer aktuellen Umgebung gelöst, die sie so nicht selbst gewählt haben und die sonst den Blick von den Menschen auf die Zustände in den Wohnheimen lenken würde. Ziel des Projektes ist den Flüchtlingen einen kleinen Teil ihrer Würde zurückzugeben.

Die Idee zum Projekt hatte Dr. Thomas Peschel-Findeisen im Frühjahr 2014.

„Damals haben wir die Menschen, die bei uns Schutz suchten, noch nicht so wie heute wahrgenommen. Im Herbst kamen dann mehr Menschen. Die Aufnahmeländer waren überfordert. In Bayern, in Österreich und besonders an den Außengrenzen der Europäischen Union. Die Flüchtlinge waren in der öffentlichen Wahrnehmung gesichtslos. Ohne Identität. Die Zustände in den Flüchtlingsheimen katastrophal. So kam es schließlich zur Idee des Fotoprojektes. Wir wollten den Menschen wieder ein Gesicht geben. Ihnen wieder ein Stück Würde zurückgeben.“

Die Münchener Peter Schaller und Thomas Peschel-Findeisen porträtierten die Menschen, um etwas über sie und ihre gegenwärtige Situation zu erfahren. Die Interviews dazu wurden von der Miemingerin Maria-Luise Berger geführt. Die Bilder sind authentisch ohne gestellte Posen und deshalb so beeindruckend.

Maria-Luise Berger: „Die meisten Flüchtlinge sind froh, weil sie in relativer Sicherheit sind und noch leben. Viele von ihnen machen sich trotzdem Sorgen. Um ihre Familien, die sie in den Kriegsländern zurücklassen mussten. Sie hoffen, dass ihre Familien bald wieder eine gemeinsame Zukunft haben und träumen von Sicherheit und Anerkennung.“

Peter Schaller: „Wir haben von den hier porträtierten Menschen, die wir in unserer nicht gerade üppigen Freizeit interviewt und fotografiert haben, mehr bekommen als wir gaben!“

Das Projekt wird von der Landesregierung in Tirol unterstützt. „Wir müssen Frieden lernen, gerade jetzt – kurz vor Weihnachten,“ sagte Landesrätin Dr. Christine Baur und „von den Flüchtlingen können wir lernen.“

Die Menschen belastet, so LR Baur, dass sie keine sinnvolle Aufgabe oder Arbeit haben. Alle würden gerne eine Ausbildung machen oder einen Beruf ausüben. Manche von ihnen sagten „Ich fühle mich in einem goldenen Käfig.“

Dr. Thomas Peschel-Findeisen: „Täglich sind Tausende von Menschen weltweit auf der Flucht. Krieg, Gewalt und Verfolgung rauben diesen Frauen, Männern und Kindern ihre Würde und zwingen sie ihre Heimat zu verlassen. In unseren Ländern sind sie zwar in Sicherheit, aber die aktuellen Lebensumstände sind nicht geeignet, ihnen ihre Würde zurückzugeben. Wir sehen die unwürdigen Zustände, aber die einzelnen Menschen gehen in diesen Meldungen unter.“

Hier setzt das Konzept dieses Projektes an. Durch intensive Portraits werden die Menschen, die als Flüchtlinge zu uns gekommen sind, in ihrer Würde dargestellt. Die Portraitierten werden durch den neutralen Hintergrund der Bilder aus ihrer aktuellen Umgebung gelöst, die sie so nicht selbst gewählt haben und die sonst den Blick von den Menschen auf die Zustände in den Wohnheimen lenken würde. Ziel des Projektes ist, den Flüchtlingen einen kleinen Teil ihrer Würde zurückzugeben.

Die Menschen sollen auf den Bildern als Individuum mit ihrem Stolz, ihren Träumen und Hoffnungen, aber auch mit ihren Verletzungen und Ängsten erscheinen. (Foto: Projekt-Würde.de)
Die Menschen sollen auf den Bildern als Individuum mit ihrem Stolz, ihren Träumen und Hoffnungen, aber auch mit ihren Verletzungen und Ängsten erscheinen. (Foto: Projekt-Würde.de)

Die Menschen erscheinen auf den Bildern als Individuum mit ihrem Stolz, ihren Träumen und Hoffnungen, aber auch mit ihren Verletzungen und Ängsten. Daher wurden die Portraitierten nicht zu gestellten Posen angeleitet, sondern ihnen wurde nur die Frage gestellt „Wer bin ich? – Wie fühle ich mich?

Zitate:

Manaf, 26 Jahre, 2013 von Syrien geflüchtet. Über den Libanon und die Türkei. „Ich bin oft traurig und vermisse meine Familie, meine Eltern, meine zwei Schwestern und meinen um zwei Jahre jüngeren Bruder, die noch in Syrien sind.“

Altamimi, 2012 von Syrien nach Österreich geflüchtet.
Altamimi, 2012 von Syrien nach Österreich geflüchtet.

„Ich fühle mich hier jeden Tag stärker und warte auf die Zeit, wo ich meine Träume erreichen kann. Ich habe Hoffnung. Ich würde gerne eine Ausbildung als Graphikdesigner machen. Ich bin Hobbyfotograph.“

Askenova, Aserbaidschan.
Askenova, Aserbaidschan.

„Ich bin 2013 mit dem Lkw über Russland geflüchtet. Ich habe keine Eltern mehr. Mein Onkel wollte, dass ich einen alten Mann aus Aserbaidschan heirate. „Ich fühle mich sehr gut. Ich habe Arbeit in einem Kindergarten in der Gemeinde Pians gefunden. Ich bin gelernte Friseurin. Ich habe einen 1-jährigen Sohn und einen Mann aus Armenien. Wir hätten nicht heiraten dürfen zu Hause.“

Sharaawe, kommt aus dem Kriegsland Somalia.
Sharaawe, kommt aus dem Kriegsland Somalia.

„Ich bin nun 3 Jahre hier ohne Pass. Ich möchte Deutsch lernen und mich in Österreich integrieren.“

Darin, 26 Jahre, kommt aus Syrien.
Darin, 26 Jahre, kommt aus Syrien.

„Hier fühle ich mich sicher und wohl hier. Mein großer Wunsch ist, dass ich mit meiner Familie hier in Sicherheit wohnen kann.“

Mitwirkende

Dr. Thomas Peschel-Findeisen - Die schwarze Serie (Foto: Knut Kuckel)
Dr. Thomas Peschel-Findeisen – Die schwarze Serie (Foto: Knut Kuckel)

Seit 25 Jahren ist er Anhänger der klassischen, analogen S/W-Photographie. Den Autodidakten fasziniert die intensive Auseinandersetzung mit den Motiven. Dabei gehört die Ausarbeitung der Unikate im eigenen Labor elementar zum Entstehungsprozess. Die entschleunigte Arbeitsweise macht für ihn den Reiz dieses Hobbys aus. Dr. Thomas Peschel-Findeisen ist 1. Vorsitzender des Blende 1 Fotoclubs e.V. München.

Peter Schaller - Die weiße Serie (Foto: Knut Kuckel)
Peter Schaller – Die weiße Serie (Foto: Knut Kuckel)

Aufgrund seiner Tätigkeit als selbstständiger Zahntechniker und Referent betreibt er schon seit über 15 Jahren dentale Makrofotografie. Seit vier Jahren widmet er sich intensiv den Themen Porträt, Model und Fashion. Aber auch People, Street und Architektur sind inzwischen reizvolle Themen für ihn geworden. Peter Schaller gehört zur Vorstandschaft des Blende_1 Fotoclubs e.V. München.

Maria-Luise Berger - Interviews (Foto: Knut Kuckel)
Maria-Luise Berger – Interviews (Foto: Knut Kuckel)

Als Lebensgefährtin von Peter Schaller war die Tirolerin*Maria-Luise Berger von der Idee dieses Projektes sofort begeistert und unterstützte die beiden Fotografen bei der Organisation und ermöglichte durch zahlreiche Gespräche überhaupt den Zugang zu den Wohnheimen. Durch ihre offene und gleichzeitig vertrauensvolle Art ist es ihr gelungen in kurzer Zeit die Menschen für das Projekt zu begeistern und die Interviews mit den Portraitierten zu führen.

Weblinks:
Projekt Würde: www.projekt-wuerde.de
Kunst-Werk-Raum: www.kunst-werk-raum.at

Fotoprojekt „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ (Fotos: Knut Kuckel)

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Knut Kuckel